Vorschaubild der Ausstellung

Fotografieausstellung

über Alzheimerdemenz

Fotografisches

„Die Lage wird dadurch so kompliziert, das weniger denn je eine einfache Wiedergabe der Realität etwas über die Realität aussagt. Eine Photographie der Kruppwerke … ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen, also etwa die Fabrik, gibt die letzteren nicht mehr heraus. Es ist also tatsächlich, etwas aufzubauen, etwas Künstliches, Gestelltes.“ Bertolt Brecht

Auch wenn Brecht damit auf eine für ihn typische Weise gesellschaftliche Problemstellungen thematisiert, kann seine Aussage auch in andere Bereiche der fotografischen Arbeit übertragen werden.
Bei der Thematik Alzheimerdemenz sagen Portraits von Betroffenen nichts über die Demenz als solche, oder die menschlichen Beziehungen, die daraus resultieren. Es muss, um das Thema umfassend darstellen zu können, also eine zusätzliche Komponente eingebracht werden. Fehlt diese Komponente, so verbleibt die fotografische Arbeit an der oberflächlichen “die Welt ist schön”-Ästhetik der kunstgewerblichen Fotografien. Daher resultiert die Notwendigkeit, nicht nur fotografische Portraits von Alzheimerpatienten herzustellen, sondern vor allem auch die Symptome und Erkenntnisse über die Krankheit visuell zu kodieren und im Bild sichtbar zu machen.

Bei der Ausstellung “4 Uhr nachmittags” geschieht dies mit Fotografien aus der Wohnumgebung der portraitierten Alzheimerkranken. Die getroffene Auswahl der Bildmotive orientierte sich nicht an dem Ziel der Dokumentation des Wohnumfeldes, sondern resultiert aus der fotografischen Entscheidung, inwieweit dieses oder jenes Motiv die Visualisierung der Demenz unterstützen kann. Jedes der gezeigten Einzelbilder bietet somit einen Ausschnitt des vielschichtigen Themas, der bildübergreifend wirksam wird.
Die vorgefundenen Details der Wohnungseinrichung sind räumliche und formale Abstraktionen. Die ursprüngliche Bedeutungsrealität der gezeigten Details wird aufgelöst und mit neuen Bedeutungen besetzt. Vom Betrachter wird deshalb eine aktive und interpretative Deutung eingefordert.